Interview mit Steinrohner

Published at Friends Magazine by Villeroy & Boch on 16th May 2016

Hinter Steinrohner stecken Inna Stein und Caroline Rohner. Inna stammt aus Russland, Caroline ist in der Schweiz geboren. Kennengelernt haben sie sich auf der Kunsthochschule Weißensee Berlin. Nach ihrem Abschluss gründeten sie 2013 ihr Womenswear Label in Berlin. Kreativ bewegen sie sich zwischen Mode und Kunst. Extravagante Showpieces gehören genauso zu jeder Kollektionen wie raffinierte und elegante Stücke für das alltägliche Leben selbstbewusster Frauen. Als „Couture de la rue“ beschreiben die beiden gern ihren Stil. Im letzten Jahr wurden sie mit dem „Young Designers’ Award Germany 2015“ ausgezeichnet.

Ich traf die beiden in ihrem Berliner Atelier gleich neben dem Club Ritter Butzke, um mit ihnen über ihre ersten Nähversuche, politische Aussagen in der Mode und mögliches Unmögliche zu reden. 

 

Warum wolltet Ihr Modedesignerin werden?

Caroline Rohner: Für mich war es dieses kreative Zusammenfügen. Meine Mama ist Tänzerin und mein Papa malt viel. Dieses Kreative war für mich irgendwie schon klar.

Inna Stein: Ich hab früher in Russland gewohnt. Unsere Nachbarin war Schneiderin und meine Mutter hat mich immer zu ihr mitgenommen. Und als ich mich dann gelangweilt hab, während die geschnackt haben, hat sie mir immer Stoffreste zugeschmissen und ich hab mich dann an die Nähmaschine gesetzt und all meinen Puppen Kleider genäht.

 

Wie alt warst Du da?

Inna Stein: So 5 oder 6. Das war so ein Tretding, keine richtige Nähmaschine. Sie hat mir auch gezeigt, wie man von Hand näht, Sticken und so. Da war ich total begeistert.

 

Wie würdet Ihr den Stil Eures Labels beschreiben?

Experimentell. Modern mit vielen Details. Und futuristisch. Eine Mischung aus Naturgewalt und Futurismus. Für uns ist es auch wichtig, dass es komfortabel ist.

 

Habt Ihr eine bestimmte Intension als Designer?

Eine Geschichte zu erzählen. Letztes Mal ging es um Lava. Inna war in Sizilien und hat Fotos vom Stromboli mitgebracht. Daraus sind dann die Prints entstanden. Wir verwenden dafür immer eigene Fotos. Bei der letzten Kollektion waren es Unterwasserbilder aus Thailand. Und wir gehen oft noch in die Bibliothek und ins Aquarium und sind dann total begeistert. Wir sehen dann die ganzen Formen und es geht sofort los. Es ist uns total wichtig, eine Geschichte zu erzählen und ein kleines Mysterium um das Ganze aufzubauen. Wir wollen immer etwas auslösen. Auch bei unseren Shows arbeiten wir immer mit befreundeten Künstlern zusammen. Einer hat ein Video für uns gemacht, ein anderer Freund die Musik. Wir wollen, dass das ein Gemeinschaftsding ist und immer etwas Künstlerisches hinzukommt. Wir haben auch immer circa vier Stücke, die wirklich nur Showpieces sind. Die transportieren vor allem die Story und davon abgeleitet sind dann die tragbaren Sachen.

 

Eure letzte Kollektion hieß „Relieve the Reef“. Habt Ihr auch immer eine politische Aussage?

Caroline Rohner: Ja, auf jeden Fall! Die Idee ist, dass das Riff für eine Versammlung von Arten steht. Da wo ich war, auf Kho Lanta, ist durch den Tsunami sehr viel davon zerstört worden. Das ist eine ganz kleine Mini-Insel, echt kein Mensch da, in der Mitte von Thailand.

Inna Stein: Erhaltet die Natur und die Arten. Und einfach diese Wertschätzung. Man stolpert auch automatisch über solche Sachen. Warum sollte man sie dann nicht kommunizieren?

 

Welche Aussage gab es bei den Entwürfen für Villeroy & Boch?

Wir wollten dieses Spielerische zum Ausdruck bringen. Das Kleid ist ja zum Beispiel auch als Mantel tragbar. Man kann total schick sein, aber es auch als Mantel gut kombinieren. Es sind Kleidungsstücke für eine starke Frau. Die jetzt vielleicht nicht in einem transparenten Kleid auf die Straße geht, aber die es mag, sich zu verkleiden.

 

Euer Rat an aufstrebende Designer?

Inna Stein: Fleißig sein!

Caroline Stein: Keine Angst haben! Immer experimentieren!

Inna Stein: Auch, was ich damals von Iris van Herpen gelernt hab: „Nichts ist unmöglich!“. Bei Iris van Herpen war es immer so, dass du ein Material gehabt hast, und das war unmöglich [zu bearbeiten]. Aber am Ende geht’s doch. Und eigentlich geht alles. Und nach diesem Prinzip funktioniert eigentlich die ganze Welt.